SMART-Technologie und Überwachung

Ich muss zum Einstieg vielleicht noch erwähnen, dass dies hier nichts mit einer Verschwörungstheorie oder so zu tun hat. Es geht viel mehr um die technische Möglichkeit, sowie das Bewusstsein, mit Smart – Technologie bedacht umzugehen.

Es ist noch gar nicht so lange her – knapp 20 Jahre – also das erste “richtige” Handy auf den Markt kam: Das Nokia 3210. Ab diesem Zeitpunkt ging es los mit SMS und Co. Später dann sind die MMS dazugekommen und die erste Form von mobilem Internet, dem WAP. Das war damals schon richtig High-Tech – aber von Smart-Technologie waren wir damals noch weit entfernt. Obwohl es damals noch nicht wirklich viele Angebote gab und die Datenpakete extrem teuer waren, konnte man auf einige wenige Infos wie Wetter, das Kinoprogramm oder News zugreifen. Dies funktionierte in etwa so gut wie der Teletext, den die Jungen schon damals nicht wirklich nutzen. Die Verbindung war sehr langsam und je nach dem waren die News auch nicht aktuell.
Dies änderte sich dann im Jahr 2007, als Apple das iPhone 3G rausbrachte und man auf “normale” Webseiten zugreifen konnte. Die Datenpakete waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel günstiger, aber die Menge an Informationen die man abrufen konnte, waren immens. Schon damals wurde von der Überwachung des Fussabdrucks im Internet gesprochen, aber natürlich lange nicht in dem Ausmass, wie es heute der Fall ist.
Ich hatte vor kurzem eine Diskussion über “künstliche Intelligenz” und Smart-Geräte – natürlich ging es da auch um die Überwachung des Users. Klar, das Ganze entwickelt sich ständig weiter – das ist ja auch der Wunsch des Users, dass uns die Geräte immer mehr unterstützen und Arbeit abnehmen und uns das Leben leichter machen. Es ging in diesem Gespräch auch darum, dass diese Geräte – in diesem Fall war das iPhone grad griffbereit – ständig mithören und auch mitfilmen. Mein Kollege meinte dann, dass er das mithören ja noch verstehen könne, da sonst SIRI ja gar nicht aktiviert werden könne. Aber das mitfilmen? Klar. Ist ja dasselbe Prinzip. Als Beispiel habe ich dann die “Live-Foto”-Funktion genommen. Ein Auto anvisiert, welches grad hinter einen Baum gefahren ist – Knips, das Foto geschossen. Wenn man dann das Foto öffnet, sieht man das Auto hinter dem Baum. Spielt man aber die Livefunktion ab, sieht man, wie das Auto hinter den Baum fährt. Da wird also definitiv schon gefilmt, noch bevor ich den Auslöser drücke. Klar, diese schon vorher gefilmten Informationen und Bilder werden in der Regel gelöscht und erst dann verwendet, wenn es gewünscht wird. Aber trotzdem zeigt es, dass da ständig gefilmt wird (oder zumindest sobald die Foto-App geöffnet wird).
Es gab noch eine weitere Diskussion, bei der es um Amazons ALEXA ging. Ich bin ja ein Fan von solchem Technik-Zeugs. SIRI finde ich ein bisschen doof, da sie halt nicht die schnellste ist. Aber im grossen und ganzen tut Sie, was man möchte. Da ich mir vor kurzem die Philips Hue (diese SMART-Leuchten, die man über das Handy oder mittels Spracheingabe steuern kann) gekauft habe, wollte ich das ursprünglich mit ALEXA verknüpfen. Meine Frau hat mir dann aber einen Strich durch die Rechnung gemacht, da sie ALEXA nicht bei uns in der Wohnung haben möchte. (da war ja das mit der Story, dass Alexa nachts einfach so anfängt zu lachen… 😉 ). Jedenfalls habe ich dann das Philips Hue mit Apple HomeKit respektive mit Siri verknüpft. Funktioniert ganz gut.
ABER: Auch hier ist es so, dass es eigentlich gar keine Rolle spielt, ob man nun Alexa oder Siri verwendet, da diese sowieso die ganze Zeit mithören. Sobald man ein Smartgerät im Raum hat, wird mitgehört. In meinem Fall sind das doch einige SMART-Geräte, welche ich derzeit aus meinem Zimmer verbannen müsste: iPhone, Apple Watch, Macbook, iMac, iPad, Airpods, Smart-TV – Und ALLE hören mit. Entweder müsste ich die Internetleitung kappen und mein iPhone ausschalten, damit nichts mitgehört wird, oder ich müsste auf Papier und Bleistift wechseln und mein Handy durch einen Festnetzanschluss tauschen.
All die, die jetzt denken, dass es damit getan ist, wenn man sein Handy ausschaltet oder sich keine Smartwatch zulegt irren sich: Wer im Büro an einem Mac arbeitet, hat permanent eine Kamera, welche auf Ihn/Sie gerichtet ist. Dazu hat jeder Mac eingebaute Mikrofone… Früher war es ja so, dass neben der Kamera ein kleines LED aufgeleuchtet hat, sobald die Kamera aktiviert wurde. Heute ist es keine grosse Sache, das Einschalten der LED zum umgehen – es braucht nur entsprechende Programmierkenntnisse. Im grossen Stil haben wir ja von dem PRISM-Programm von der amerikanischen Regierung gehört. Der Film dazu “Snowden” aus dem Jahr 2016 zeigt eindrücklich, dass es für gewisse Personen keine grosse Hexerei ist, die Kamera oder das Mikrofon eines Rechners zu kapern.
Ich für meinen Teil habe die Kamera auf meinen Geräten abgedeckt. Das hat *eigentlich* nichts mit Paranoia zu tun, sondern nur damit, weil ich es nicht mag, dass Kameras permanent direkt auf mich gerichtet sind. Klar, ich würde es merken, wenn da plötzlich ein kleines LED neben der Kamera angehen würde. *Eigentlich* hat es aber in Tat und Wahrheit doch mit einer gewissen Paranoia zu tun, da es mir ja nicht egal ist, wenn mich jemand beobachten würde. Vor allem nicht, wenn dies in meinen privaten vier Wänden stattfindet. Mir ist aber auch klar, dass ich auch nicht davonkomme. Wenn jemand nicht zusieht, liest er vermutlich mit. Auch wenn es nur ein Programm ist, das meinen Internetverlauf etc. verfolgt. Wenn ich dann zum Beispiel relevante Suchbegriffe bei Google eingebe, wird dieses Programm aktiv. Oder wenn ich auf entsprechende Webseiten gehe, wird dies registriert. Aber auch wenn ich in den Sozialen Medien ein gewisses Verhaltensmuster an den Tag lege – also kritische Beiträge poste/like/share, kann ich auf dem Radar von entsprechenden Gruppierungen auftauchen. Deshalb überlege ich mir immer mindestens zweimal, ob dieser Post negativ auf mich zurückfallen könnte. In der Regel stehe ich zu dem, was ich sage oder schreibe. Trotzdem heisst das ja nicht, dass andere diese Meinung teilen oder unterstützen. Es gibt immer welche, die eine andere Meinung haben.
Bei dem Film “Staatsfeind Nr.1” mit Will Smith kam die Aussage von einem CIA-Agenten, dass wenn jemand während einem Handygespräch die Worte “Präsident” und “Bombe” erwähnt, das Gespräch automatisch gespeichert und anschliessend ausgewertet wird. Klar, der Film ist zum Teil überspitzt dargestellt – vor allem die Darstellung der Satellitenbilder. Da sieht man zuerst wie der Satellit von weit her eine Region zeigt wo dann reingezoomt wird bis man Will Smith von nahem sieht. OK, das wäre ja noch glaubhaft. Die Bilder sind natürlich Live, in Farbe und gestochen scharf. Als dann aber die Perspektive wechselt, musste ich schon schmunzeln. Dafür hätte der Satellit ja in dem entsprechenden Winkel auf das Objekt gerichtet sein sollen. Mit einer Drohne wäre dies natürlich möglich, nur dass man diese wohl sehr schnell bemerkt hätte.
Zurück zu den SMART-Geräten: Das Abkleben oder Abdecken einer Kamera ist ja nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Wenn man nicht zuschauen kann, hört man halt mit. Das Mikrofon abkleben nützt nur bedingt was. Dazu kommt, dass alle aktuellen Appleprodukte ein Mikrofon integriert haben. Dies alle abzukleben wird einerseits schwierig und macht das Handling auf die andere Seite unkomfortabel bis nicht mehr möglich. Wenn man jedesmal erst den Mikrofonschutz entfernen muss, wenn man einen Anruf erhält, wird das über kurz oder lang nerven. Fraglich ist aus diesem Sinne, was hat man eigentlich davon, wenn man “irgendjemanden” überwacht? Die interessantesten Informationen sind wohl das Bankkonto, der Gesunheitszustand oder eben kriminelle Machenschaften. Natürlich bewegt sich der “Zuhörer” hier auf rechtlich dünnem Eis, falls nicht sogar auf illegalem Terrain. Damit offiziell jemand überwacht werden darf, benötigt man in der Regel einen richterlichen Beschluss. Nur interessiert das nur die offiziellen Stellen. Einem Stalker zum Beispiel ist so ein Beschluss schnurzegal.
Es kommt auch immer darauf an, welche Daten zugänglich sind, respektive wo mitgelesen wird. Mir ist es ja eigentlich egal, wenn Google meine Surfgewohnheiten kennt und mir dementsprechend Vorschläge für die nächste Amazon-Shopping-Tour macht. Es ist mir auch nicht wichtig, ob sich jemand für meinen Musikgeschmack oder meine Einkäufe bei Coop, Migros, Lidl und Co. interessiert. Es ist mir aber nicht egal, wenn es ums Geld – also Erspartes – oder um Gesundheitliches geht. Meine Krankenakte geht nur mich und meinen Arzt was an. Punkt.
Ich schätze mal, dass es in ca. 20 Jahren soweit sein wird, dass der Mensch es sich gewohnt sein wird, dass die Überwachung permanent stattfindet. Die Daten meiner Health-App werden direkt der Krankenkasse übermittelt, das Steueramt hat direkte Einsicht in meine Bankkonten und wenn ich in einem Hotel am Empfang eine Reservierung machen möchte, sind meine Daten bereits auf dem Bildschirm, weil die Kamera mein Gesicht erkannt hat. Der einzige Unterschied wird sein, dass die kommenden Generationen es gar nicht anders kennen. Für Sie wird es normal sein, dass man überall gefilmt wird. Wir hingegen, die wir mit erlebt haben, wie das erste richtige Handy – das 3210 von Nokia – auf den Markt kam oder wie das Internet 1995 für die breite Masse zugänglich wurde, wir sind es eigentlich gewohnt, dass wenn wir unsere Wohnungs- oder Haustüre schliessen, wir uns in unserem Privatbereich bewegen, wo niemand zuschaut oder zuhört. Damals. Ist doch schon ein bisschen länger her.
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