Papier ist etwas, das allgegenwärtig ist. Sei es die Zeitung, das Zugticket, die Quittung im Restaurant oder Supermarkt, das Zigarettenpäckchen oder das Taschentuch – Papier ist nicht wegzudenken. Und doch ist Papier eben nicht gleich Papier. Es gibt zig tausende verschiedene Anwendungen – soviele dass man sich oftmals gar keine Gedanken mehr darüber macht, weil es selbstverständlich ist.

Aber gerade im grafischen Bereich und vor allem im Marketing ist Papier nicht nur extrem wichtig, es ist auch nicht zu unterschätzen: Mit dem Papier übermittelt man nicht nur eine Botschaft, sondern auch ein Gefühl, eine gewisse Optik und auch sogar Gerüche. Das richtige Papier für die richtige Anwendung ist also Matchentscheidend.

Ich ertappe mich sehr oft dabei, dass ich, wenn ich mir z.B. ein Magazin kaufe, erst mal die Beschaffenheit des Umschlags fühle – noch bevor ich das Magazin aufgeschlagen habe. Ein gutes Beispiel ist hier das Magazin NOVUM (Fachmagazin für Grafik-Design), welches bei jeder Ausgabe ein anderes Papier und auch eine andere Veredelung für das Cover verwendet. Da kann es auch tatsächlich vorkommen, dass ich mich mehr mit dem Umschlag beschäftige, als mit dem Inhalt des Magazins. Eben gerade WEIL das Papier sich toll anfühlt oder die Veredelung einfach faszinierend ist.

Die Qual der Wahl.

Nur schon die Wahl der “richtigen” (wobei es hier nicht um Richtig oder Falsch geht, sondern eher um Zweckmässig) Grammatur kann sehr viel ausmachen. Ein “normales” Büropapier hat um die 80g/m2 und ist relativ dünn. Ein Papier, welches 100g/m2 aufweist, fühlt sich dabei schon wertiger an. Für den Bürogebrauch empfinde ich die 100g/m2 schon fast als Maximum – zumindest was Briefe anbelangt. Je nach dem, wie das Papier beschaffen ist, unterstützt es die Grammatur und auch den Druck. Ob das Papier nun matt, halbmatt, satiniert, gestrichen oder glänzend ist, kommt immer auf den Verwendungszweck an. Es spielt auch eine Rolle, ob darauf gedruckt, geschrieben oder gezeichnet wird. Sogar ob es mit einem Laser oder einem Tintenstrahldrucker bedruckt wird.

Dazu kommt noch, dass man unter Umständen die zu druckenden Farben dem Papier anpassen muss. Will man zum Beispiel Pantone 485C  (rot) auf einem ungestrichenen Papier drucken, wird das Ergebnis tendenziell eher in den Rosarot-Bereich gehen, anstatt einem satten Rot. Hier muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Farbe dem Papier angepasst wird – oder eben das Papier dem Farbton. Je nach dem kann es auch sein, dass man sich mit dem Fachmann in der Druckerei zusammensetzt und die Probedrucke durchsieht. Wenn sich die Möglichkeit bietet, nutze ich das auch. Näher am Geschehen kann man fast nicht mehr sein, denn hier spürt man regelrecht wie zwei Medien – das Papier und die Druckerfarbe – aufeinadertreffen. Man kann hier auch direkt Einfluss nehmen und am wichtigsten: Man sieht die Unterschiede.
Die Wahl des Papiers ist ausschlaggebend für die Optik und kann positiv zum Kontrastverhältnis zur Schrift beitragen – oder eben negativ. Wählt man das falsche Papier, kann es sein, dass die Kanten der Schrift ausfransen, dadurch bedingt, dass man in einem Tintenstrahldrucker Papier verwendet, welches eigentlich für einen Laser-Drucker gedacht ist. Dieses Papier saugt die Tinte förmlich auf und man hat dann im schlimmsten Fall diese Ausfransungen, was das Schriftbild erheblich beeinträchtigt.

Für mich ist Papier ein wunderbarer Werkstoff, der es mir ermöglicht, Gestaltung nicht nur zu sehen, sondern auch zu spüren.

Zum Thema: Definition der Farben

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