Ich werde oftmals gefragt, warum denn Logos so teuer sind. Klar, denn viele sind sich nicht bewusst, was alles dahinter steckt. Die Leute denken vermutlich “Der ist ja grafisch versiert, kreativ und hat ja auch studiert – der wird ja sowieso gleich eine Idee haben”. Dazu kommt, dass die Leute für die reine Kopfarbeit (also die eigentliche kreative Tätigkeit) möglichst nichts bezahlen wollen, da ausser der Idee – welche jedoch noch nicht sicht- oder greifbar ist – noch nichts vorhanden ist.

Der kreative Prozess ist ein bisschen umfangreicher, als die meisten denken:

  • Vorbereitungsphase
  • Inkubations- bzw. Reifungsphase
  • Einsicht (das bekannte “Aha-Erlebnis)
  • Bewertung
  • Ausarbeitung

 

Man sieht jetzt schon, dass dieser Ablauf nicht in wenigen Minuten abgehandelt ist. Im Gegenteil: Oftmals braucht man mehrere Tage oder Wochen, bis dieser Prozess abgeschlossen ist und man ein gutes Logo präsentieren kann. Klar, man kann natürlich einen Geistesblitz haben, welcher den Prozess beschleunigt. Aber das ist weder die Regel, noch kann man sich darauf verlassen.

Es benötigt im Normalfall schon ein bisschen mehr. Da empfinde ich es immer als Vorteilhaft, wenn ich beim Interessenten vorbeigehen kann und mir die Firma oder das Büro ansehen kann. Auch das direkte Gespräch mit dem Kunden – persönlich – ist für mich ein absolutes Muss und geht nicht via Telefon oder Mail. Je nach dem gibt es auch architektonische Grundformen, lokale Gegebenheiten oder Farben, welche man im Logo einbauen kann. Auch die bestehenden Unterlagen zu durchstöbern ist nie falsch.

Ein Logo ist ja auch nicht einfach etwas, das man ändert, wie man lustig ist. Es soll ja Professionalität, Seriösität und Beständigkeit ausdrücken. Da macht es auch Sinn, dass man sich ernsthaft Gedanken macht und nicht einfach die einfachste und erstbeste Lösung verwendet. Man muss es hinterfragen und kritisch beurteilen. Manchmal muss man sich auch einfach mal davon entfernen um dann mit einem frischen Kopf an die Sache rangehen zu können. Auf Biegen und Brechen ein Logo gestalten – oder unter Zeitdruck – geht in den meisten Fällen schief. Da ist keinem gedient: Weder der Kunde ist mit dem Ergebnis zufrieden, noch derjenige, der es gestaltet hat.

 

Ihr Logo in 24h.

Umso schleierhafter ist es für mich, wenn ich im Internet über Webseiten von Gestaltern (zumindest steht das so da) stolpere, welche die Logo zu Schleuderpreisen anbieten – und dazu noch innerhalb 24 – 48 Stunden. So etwas kann nicht professionell sein. Ich frage mich dann, ob diejenigen sich wirklich noch mit dem Kunden auseinandersetzen oder ob Sie einfach im Logokatalog rumblättern und dann ein Logo (fast) kopieren. Anders kann ich mir das gar nicht vorstellen.

Andererseits ist auch klar: Wenn jemand für ein Logo nur 24 Stunden braucht, kann er auch nicht viel dafür verlangen. Wenn ich mir mal überlege, wieviele Handskizzen ich anfertige bis ich nur mal schon weiss, in welche Richtung das Logo geht.. Schon da sind einige Stunden vergangen und ich habe noch nichts, als eine Handvoll Skizzen. Auch für die Farbwelt benötigt man mehr als nur 5 Minuten. Hinter jeder Farbe steht mehr als nur ein Farbwert: Da sind Emotionen, Bedeutungen, Assoziationen und zum Teil auch Erinnerungen. Die Kombination macht es aus.

 

Selfmade.

Heutzutage kann jeder selber ein Logo machen. Da macht man kurzerhand das Word oder Paint auf und baut sich sein Logo zusammen. Dass es aber trotzdem Sinn macht, einen Grafiker für die Logoerstellung zu beauftragen, merkt man spätestens, wenn man das Logo zum Beispiel in eine Druckerei gibt. Die werden als erstes Fragen, ob das Logo nicht auch als Vektordatei vorliegt. Logos, welche als Bilddatei vorliegen (JPG, PNG, BMP, GIF, …) können oftmals nicht produziert werden, weil die Qualität einfach zu schlecht ist. (Da fällt mir ein: Nur weil es auf dem Bildschirm “scharf” aussieht, heisst das noch lange nicht, dass es “hochauflösend” ist.)

Ein Logo liegt im Normalfall in drei Varianten vor: Positiv, Negativ und Schwarz-Weiss. Es hat eine Schutzzone, Farbdefinitionen (Pantone für Druck, RGB für Bildschirme, RAL für Lackfarben und im optimalfall auch noch Foliendefinitionen) und wird im Format .eps, .ai oder .pdf angeliefert. Mit diesen Formaten kann man ohne Probleme auch in die Produktion gehen. Aber Achtung: Nur weil die Datei die Endung “.eps” hat, heisst das noch lange nicht, dass die Datei auch wirklich eine Vektordatei ist…

Share on